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Banküberfall wie im Roman

Freibäder in Stockum und Benrath eröffnet

 

Mobile Redaktion

RP-Leser fordern Sonderzüge

VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 12.11.2010 - 19:47

Düsseldorf (RP) In der Diskussion mit Bahnvertretern und Verkehrspolitiker haben die RP-Leser am Freitag am Benrather Bahnhof zahlreiche Kritikpunkte vorgebracht. Probleme mit zu vollen und unpünktlichen Zügen seien bekannt, eine Reaktion sei dennoch nicht zu erkennen.

Die Düsseldorfer Pendler wollen schnelle Lösungen für die regelmäßigen Probleme in Regionalzügen. Die Deutsche Bahn müsse mehr Waggons pro Fahrt anbieten, solle in besonderen Situationen (etwa bei Messen oder Sportveranstaltungen) Sonderzüge einsetzen und schneller die Fernzüge für alle Fahrgäste freigeben, wenn sich ein Zug verspätet. Diese Forderungen haben die Besucher der mobilen RP-Redaktion Freitagnachmittag am Benrather Bahnhof klar formuliert. Die RP-Redakteure Stefani Geilhausen und Bernd Bussang diskutierten dort mit den Betroffenen sowie Verkehrspolitikern und Vertretern der Bahn.

Auslöser für die Debatte waren die Vorfälle in einem Regionalexpress zwischen Düsseldorf und Benrath in der vergangenen Woche. In dem überfüllten Zug waren zwei Fahrgäste kollabiert. Danach berichteten zahlreiche Pendler von verspäteten und zu kleinen Zügen. Die Bahn erklärte die Probleme mit dem Herbstwetter und Schwierigkeiten in zwei Stellwerken.

Dieser Erklärung setzten die RP-Leser viele Argumente entgegen. Wolfgang Richter sagte, er fühle sich im Regionalexpress ins Dresden der Jahre 1945 bis 1947 zurückversetzt. Die Bahn verdiene im Regionalverkehr zwar viel Geld, investiere es dort aber nicht. Die heutigen Lokomotiven könnten problemlos sechs oder sieben Waggons ziehen, sagte Richter. Bahnsprecher Udo Kampschulte widersprach: ?Dafür müssen wir die Lokomotiven erst verstärken.?

Hans Kuhlen berichtete, wie beschämend der Anblick ausländischer Düsseldorf-Besucher in überfüllten Zügen sei, und fragte, weshalb zu Messen keine Sonderzüge eingesetzt würden. ?Wir können nur die Züge einsetzen, die der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bei uns bestellt?, antwortete der Bahnvertreter. Dies ließen die anwesenden Verkehrspolitiker, die auch im Verwaltungsrat des Verkehrsverbunds sitzen, nicht gelten: ?Die Bahn liefert bei weitem nicht immer, was wir bestellen?, sagten die Verkehrsexperten von CDU und Grünen, Andreas Hartnigk und Stephan Soll, übereinstimmend.

Einig waren sich alle Diskussionteilnehmer, dass es ein strukturelles Problem auf der Achse Köln-Düsseldorf gibt. ?Für mehr Züge ist auf dieser Strecke gar kein Platz?, sagte Bahnsprecher Kampschulte. FDP-Verkehrsexperte Manfred Neuenhaus bestätigte: ?Wir brauchen dort zwei Gleise mehr.?

Und der Vorsitzende des Ordnungs- und Verkehrsausschuss, Martin Volkenrath, adressierte die Kritik an die Bundesregierung: ?In den Plänen des Bundesverkehrsministeriums ist der Schienenverkehr total unterfinanziert, obwohl die Verkehrszahlen in den nächsten Jahren explodieren werden.? Zuhörer Wolfgang Sperwer kommentierte die Diskussion am Ende mit einer Frage, die unbeantwortet blieb: ?Wenn die Probleme so erklärt werden und die Bahn keine Lösung kennt, wieso werden dann die Fahrpläne nicht geändert und dieser Situation angepasst??

 

Ärger um Regionalzüge

Mobile Redaktion am Bahnhof Benrath

VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 10.11.2010 - 17:00

Düsseldorf (RP) CDU-Verkehrsexperte Olaf Lehne will die Zustände im Regionalverkehr der Bahn zum Thema im Verkehrsausschuss des Landtags machen. ?Die Menschen haben einen Anspruch darauf, nicht nur pünktlich, sondern auch menschenwürdig unterwegs zu sein?, sagte Lehne.

Er reagiert damit auf die Berichte unserer Zeitung vor allem über den Regionalexpress 1, in dem vor einer Woche zwei Fahrgäste kollabiert waren. Der Pendlerzug von Aachen nach Hamm sei jeden Morgen überfüllt, fahre häufig mit zu wenig Wagen, hatten nicht nur Leser berichtet: Auch die VRR-Sprecherin bestätigte, ?massive Probleme? beim RE 1. Deshalb soll der Zug im nächsten Jahr um einen Wagen verlängert werden. Außerdem wollen Bahn und VRR in zwei Wochen ein neues Konzept vorstellen, mit dem der Regionalverkehr künftig verbessert werden soll.

Große Hoffnungen setzen die meisten Pendler nicht in diese Pläne. ?Deutsche Bahn und VRR schieben sich seit Jahren die Verantwortung für die Situation zu. Anfragen und Reklamationen werden standardisiert beantwortet, Änderungen nicht umgesetzt. Fahrgastzählungen werden bevorzugt an verkehrsarmen Tagen (Freitag oder an Brückentagen) vorgenommen, um den Nachweis zu erbringen, dass der Zug fast leer fährt.? schreibt etwa Ramona Seybusch und Heinrich Hoffmeier fürchtet: ?Solange VRR bzw. das Land NRW nichts unternehmen, damit der bestellte und für die Bahn Gewinn bringende Nahverkehr gleichrangig mit dem Fernverkehr behandelt wird, hält die Bahn Züge zurück, die pünktlich sein könnten und spart so mögliche Folgekosten für verpasste Anschlüsse im auf eigene Rechnung betriebenen Fernverkehr.?

Freitagnachmittag haben Sie Gelegenheit, in der Mobilen Redaktion der Rheinischen Post über die Lage im Regionalverkehr zu diskutieren. Zugesagt haben Vertreter der Bahn und der Bundespolizei sowie Verkehrspolitiker aus Düsseldorf und dem Verkehrsverbund Rhein Ruhr. Die mobile Redaktion ist von 15.30 bis 16.30 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz in Benrath.

 

Vorwürfe gegen Deutsche Bahn

Kollaps im Regionalexpress

VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 05.11.2010 - 17:30

Düsseldorf (RPO) Unzumutbare Bedingungen im morgendlichen Regionalverkehr werfen Fahrgäste der Deutschen Bahn vor. Am Donnerstag waren im Regionalexpress nach Hamm kurz nach der Abfahrt in Benrath zwei Reisende kollabiert, eine 29-Jährige musste ins Krankenhaus.

Unzumutbare Bedingungen im morgendlichen Regionalverkehr werfen Fahrgäste der Deutschen Bahn vor. Foto: ddp

"Ich stand neben dieser Frau, als sie zusammenbrach", sagt Anke Lawitzke, die bereits seit Montag registriert hatte, dass der RE 1 um 8.13 Uhr sehr voll war. Am Donnerstag, nach Ende der Kunststoffmesse , sei der Zug aber nur mit vier statt der üblichen fünf Wagen eingefahren.

"Da war es so voll, dass die Türen nicht mehr schlossen. Der Lokführer ist ausgestiegen, forderte auf, die Trittstufen freizumachen, damit er losfahren könnte.""Stimmt", sagt Bahnsprecher Udo Kampschulte. "Wir hatten eine technische Störung, deshalb fehlte ein Wagen." Er frage sich aber, "wie man als erwachsener mündiger Bürger in einen Zug einsteigen kann, der so voll ist." Und er gehe davon aus, dass der Lokführer mit einem überfüllten Zug nicht weitergefahren wäre.

Anke Lawitzke wurde während der kurzen Fahrt bis zum Hauptbahnhof an die Tür gedrückt, hatte Angst zu stürzen, wenn die sich öffnete.

"Es war so eng, dass man nicht mal auf die Armbanduhr schauen konnte", sagt ein anderer Fahrgast. Als die Frau kollabierte, hätten Fahrgäste per Handy den Rettungsdienst alarmiert und versucht, Wasser zu der Ohnmächtigen durchzureichen. "Wir konnten ihr nicht mal die Beine hochlegen, weil dafür kein Platz war."

Volker Schleede, der von Benrath nach Essen fuhr, und im Regionalexpress "Kondenswasser an Scheiben und Wänden herunterlaufen sah ? so heiß war es da drin", stieg im Hauptbahnhof in einen ICE um. Den habe die Bahn ohne Aufschlag für die Fahrgäste des RE1 freigegeben ? per Lautsprecherdurchsage "wegen Überfüllung dieses Zuges".

 

Traditionsunternehmen schließen

Die Industrie verlässt den Süden

VON BERND BUSSANG UND JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 22.09.2010 - 08:43

Foto: RP, Jenny Möllmann

Düsseldorf (RP) Der Düsseldorfer Süden befindet sich im Umbruch. Traditionsreiche Unternehmen schließen, moderne Business-Parks entstehen. Doch längst nicht überall: In Benrath etwa sollen Industriebrachen neu entwickelt werden, mit Gewerbe ? aber auch mit Wohnungen, Grünflächen und Einzelhandel.

Seit 134 Jahren besteht das Walzwerk an der Hildener Straße in Benrath. Jetzt stehen die Zeichen auf Sturm. Möglicherweise schon im November will die Konzernleitung von ThyssenKrupp Nirosta endgültig darüber entscheiden, ob Produktionsanlagen nach Krefeld verlegt und das Benrather Werk geschlossen werden. 565 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs.

Gewerkschaften und Betriebsräte örtlicher Industriebetriebe wollen nun ein bereits 1996 gegründetes "Aktionsbündnis Benrath" neu beleben. Es soll für Unterstützung bei Politikern, Schulen, Kirchen und Geschäftsleuten werben. Auf breiter Front wollen die Initiatoren gegen den Rückzug der Industrie und den stetigen Abbau von Arbeitsplätzen angehen. "Wir haben die Hoffnung, dass das Benrather Werk erhalten bleibt, noch nicht aufgegeben", sagt Bezirksvorsteher Heinz-Leo Schuth (CDU). "Doch sollte es anders kommen, hätten wir eine weitere große Brachfläche in Benrath."

Früherer Wirtschaftsmotor

Leerstehende Industrieflächen weiten sich aus, nicht nur in Benrath, sondern im gesamten Düsseldorfer Süden. "Der Süden war einst der Wirtschaftsmotor Düsseldorfs", sagt Schuth. "Generationen haben in den hiesigen Werken gearbeitet, nun bricht vieles weg." Ende 2007 stellte Stora Enso (früher Feldmühle) nach 102 Jahren die Papierproduktion in Reisholz ein.

Auf dem freigeräumten Gelände an der Bonner Straße will das Immobilienunternehmen Segro zum Jahresende mit dem Bau eines Büro- und Gewerbeparks mit Logistikcenter beginnen. Weiterhin unklar ist, was mit den 2009 nach Unternehmensinsolvenzen stillgelegten Werken der früheren Carbo Group an der Kappeler Straße in Benrath und von Kematen-Kosmetik ("Odol-Werk") an der Straße Am Trippelsberg in Reisholz geschehen soll. Das Gewerbeprojekt "Werft 67" der Stadttochter IDR in Reisholz läuft offenbar weiterhin schleppend an.

Einen Lichtblick gibt es indes an der Reisholzer Werftstraße: Rund 30 Millionen Euro will der Düsseldorfer Projektentwickler Epitec Gamma bis 2012 in den Umbau einer alten Kranhalle von Gottwald zu einem modernen Business-Center ("Rheinhöfe") investieren. Hoffnung gibt es nach Informationen der Rheinischen Post auch für das brachliegende frühere Gelände der Mineralölgesellschaft Shell im Reisholzer Hafen.

Ein Großunternehmen hat offenbar ein konkretes Interesse daran, es von Altlasten zu befreien und einer neuen Nutzung zuzuführen. Das kontaminierte Grundstück liegt seit vielen Jahren brach. Aus informierten Kreisen ist zu hören, dass es bereits erste konstruktive Gespräche mit dem Industriekreis Süd gegeben haben soll. Der 2007 gegründete Industriekreis, in dem 22 Unternehmen organisiert sind, hatte sich vermehrt für den Bestand von Industrie-Reserveflächen starkgemacht.

Unterdessen geht der Rückzug weiter. Im Benrather Stadtquartier Paulsmühle ist er deutlich spürbar. Jagenberg, Capito, Flender ? heute erinnern vornehmlich Straßennamen an die industrielle Vergangenheit des früheren Arbeiterviertels. Geblieben sind die Maschinenwerke von Komatsu und Demag Cranes/Gottwald an der Forststraße. Nachdem ThyssenKrupp ein Jahrzehnte lang brachgelegenes Gelände an der Telleringstraße von alten Werkshallen geräumt und der Lebensmittelkonzern Aldi das Areal südlich seines Marktes (frühere BEA-Fabrik) an einen unbekannten Investor veräußert hat, kommt Bewegung in die Planung.

Plan für "vergessenes" Quartier

Die Stadtverwaltung hat nun den politischen Gremien einen Bauleitplan vorgelegt, in dem die künftige Nutzung der Industriebrachen festgelegt wird (siehe Grafik). Für die drei Teilbereiche sind vornehmlich Industrie und Gewerbe vorgesehen, im Teilbereich 1 soll auch Wohnen erlaubt sein. Grünflächen und neue Wege sollen das lange "vergessene" Quartier Paulsmühle attraktiver machen und besser ans Benrather Zentrum anbinden.

Offen ist, welche Form von Einzelhandel in den Teilgebieten 1 und 2 zugelassen wird. Nach der jüngst beschlossenen Empfehlung der Bezirksvertretung 9 soll Einzelhandel zur Nahversorgung erlaubt sein, also Geschäfte, die keine Konkurrenz zum Benrather Zentrum sind.

 

Benrather Werksschließung

Nirosta: Angst um 565 Jobs

VON BUSSANG, REISENER UND SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 18.09.2010 - 10:10

Düsseldorf (RP) Mit der Schließung des Benrather Werks sollen Hunderte ihren Job verlieren. Ein Standort-Gutachten steht noch aus, der Betriebsrat will für den Erhalt des Werks kämpfen. Der Wegzug von Thyssen nach Krefeld ist ein schwerer Schlag für den Industriestandort Düsseldorf.

Vor anderthalb Jahren demonstrierten diese Auszubildenden bei Thyssen Krupp Nirosta. Ob sie damals schon ahnten, dass eine Schließung der Benrather Edelstahlwerke bevorsteht?

Durch die angekündigte Schließung des Benrather Edelstahlwerks von ThyssenKrupp Nirosta fallen 565 Arbeitsplätze in Düsseldorf weg. Der IG Metall Düsseldorf-Neuss liegen nach Angaben ihres Geschäftsführers Nihat Öztürk bereits Pläne des Vorstandes von ThyssenKrupp vor, in denen die Verlegung des Werkes nach Krefeld im Detail erklärt wird. Unter dem Titel "Optimierung Ferrit-Strang" wird beschrieben, dass zugunsten einer Konzentration der Standorte in Krefeld die 565 Mitarbeiter (mit Auszubildenden) stufenweise bis 2015 aus Benrath abgezogen werden. Auszubildende sollen nicht übernommen werden. Von den verbleibenden 549 Mitarbeitern werden 189 nach Krefeld verlagert, 65 sollen in Altersteilzeit oder Rente gehen. Die restlichen 295 werden in dem Konzept als "offene Maßnahmen" betitelt, ohne nähere Angaben über ihre Zukunft. "Das sind konkrete, offenbar unterschriftsreife Pläne", so Öztürk.

"Befürchten Qualitätseinbußen"

Der Betriebsratschef der Edelstahlsparte des Konzerns, Bernd Kalwa, betonte, dass der Aufsichtsrat der ThyssenKrupp-Edelstahlsparte den Schließungsplänen des Managements "noch nicht zugestimmt" habe. Die Position des Betriebsrates hänge auch von einem Standort-Gutachten zu Benrath ab, das Betriebsrat und Gewerkschaft gemeinsam bei der Beratungsgesellschaft PWC in Auftrag gegeben haben. Der Benrather Betriebsratsvorsitzende Mustafa Sahin sagte: "Unser Ziel bleibt, den Standort in Benrath zu erhalten. Wir haben eine Top-Mannschaft mit hervorragender Qualifikation. Was wir hier produzieren, können nur wenige Wettbewerber." Nach der Verlagerung von Werksanlagen nach Krefeld befürchtet Sahin Qualitätseinbußen in der Produktion. Überrascht von der Berichterstattung in der Rheinischen Post rief der Benrather Betriebsrat gestern eine außerordentliche Betriebsversammlung ein, lud dazu den Vorstand ein und bat um Aufklärung. "Es gibt viele Gespräche über die Zukunft des Standorts, aber offenbar noch keinen Beschluss", so Sahin.

Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) sagte, er habe mit dem Management von ThyssenKrupp über die Schließungspläne gesprochen, und bestätigte damit den Bericht unserer Zeitung vom Vortag. "Da der Aufsichtsrat sich dazu aber noch nicht geäußert hat, ist das noch eine interne Angelegenheit des Unternehmens, die ich nicht kommentieren möchte", so Elbers. Sollte es jedoch zu einer Schließung kommen, sei das "sehr bedauerlich für die Betroffenen und ihre Familien ? aber auch für den Wirtschaftsstandort Düsseldorf." Nicht äußern wollte sich Andreas Bruns, Vorsitzender des Industriekreises Süd.

Stora Enso, Carbo, Kematen

Die angekündigte Schließung des Thyssen-Werkes setzt die Deindustrialisierung des Standorts Düsseldorf fort. Zuletzt strichen der Papierproduzent Stora Enso, der Schleifmittelhersteller Carbo Group und das Pflegemittelunternehmen Kematen die Segel. Klaus Mauersberger, Vorsitzender des Wirtschaftsförderungsausschusses, sagte, ein Weggang von Nirosta wäre vor diesem Hintergrund "ein herber Verlust". Die Stadt könne durch Infrastruktur und weiche Standortfaktoren zwar ein gutes Umfeld schaffen, sobald bei Großunternehmen Entscheidungen auf Konzernebene getroffen würden, sei man aber machtlos: "Dann zeigt die Erfahrung, dass es nichts nutzt, Unterschriften zu sammeln. Dann sollte man lieber nach vorne schauen und fragen: Was kommt Neues?"

Mauersberger sagte aber auch, der Süden sei ? speziell durch die enge Vernetzung von Industriekreis, Verbänden und Politik ? in der Lage, einen Verlust zu kompensieren: "Die Wirtschaft hier ist relativ intakt, weil wir keine Monostruktur haben." Auf einigen Industriebrachen entstehen etwa Gewerbeparks, in denen sich Dienstleister für die Schwerindustrie ansiedeln. Auch Heinrich Pröpper, Chef der Stadttochter Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz, glaubt, dass der Süden einen Weggang von Thyssen verkraften könne: "Die Entwicklung war abzusehen. Gravierender war damals der Weggang von Stora Enso."

Den Thyssen-Mitarbeitern wird das ziemlich egal sein. Noch im April habe die Konzernleitung die Absicht einer Verlagerung dementiert, sagt IG-Metall-Geschäftsführer Öztürk: "Betriebsräte, Gewerkschaften, Stadtverwaltung und die Öffentlichkeit wurden belogen."

 

Foto: AFP

Standort Krefeld wächst

ThyssenKrupp schließt Walzwerk in Düsseldorf

(RPO) VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 17.09.2010

Düsseldorf (RP) Der Konzern ThyssenKrupp wird sein Edelstahl-Walzwerk in Düsseldorf-Benrath schließen. Betroffen sind 565 Mitarbeiter. Das erfuhr unsere Redaktion aus Kreisen der Düsseldorfer Stadtverwaltung. Den Mitarbeitern sollen sozialverträgliche Lösungen sowie Ersatz-Arbeitsplätze in Krefeld angeboten werden, wo ThyssenKrupp ebenfalls ein Edelstahl-Werk betreibt.

Der Betriebsrat von ThyssenKrupp macht die Energiepolitik der Bundesregierung mitverantwortlich für die angekündigte Schließung. "Mit ihrer Energiepolitik lässt uns die Politik schon seit Jahren im Stich", sagte der Betriebsratschef der Edelstahlsparte des Konzerns, Bernd Kalwa, unserer Redaktion. In der Edelstahlproduktion habe der Strom einen Anteil von etwa 40 Prozent an den gesamten Produktionskosten, so Kalwa.

In Deutschland liege der Strompreis aber aus politischen Gründen wie etwa Umweltauflagen um das Doppelte über dem Weltdurchschnitt. "Das erzeugt gerade in der energieintensiven Edelstahlbranche einen Kostendruck, der dann auch zu Werksschließungen führen kann", sagte Kalwa, der auch Aufsichtsrat des Gesamtkonzerns ist.

Eine eher gute Nachricht

So paradox es klingt: Die Entscheidung von ThyssenKrupp zur Schließung des Edelstahl-Werkes in Düsseldorf-Benrath ist unter dem Strich für die meisten ThyssenKrupp-Mitarbeiter eine eher gute Nachricht. Denn für die Verlagerung der Edelstahl-Kapazitäten von Düsseldorf nach Krefeld wird ThyssenKrupp einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen, wie unsere Redaktion aus Konzernkreisen erfuhr. Davon verspricht ThyssenKrupp sich einen jährlichen Ergebnisbeitrag in zweistelliger Millionenhöhe.

Die Investition ist ein klares Bekenntnis des Dax-Konzerns zu seinen deutschen Edelstahl-Arbeitsplätzen, nachdem ThyssenKrupp den Geschäftsbereich Edelstahl ursprünglich hatte verkaufen wollen. Außer in Benrath und Krefeld betreibt ThyssenKrupp in Deutschland noch Edelstahlwerke in Bochum und Dillenburg.

Das weltweite Edelstahl-Geschäft von ThyssenKrupp war 2008 in tiefrote Zahlen gerutscht, und ThyssenKrupp suchte nach einem Käufer. Mangels geeigneter Angebote entschied sich der Konzern im vergangenen Jahr zwar offiziell, das Geschäft auf eigene Faust zu sanieren. Angesichts der Überkapazitäten vor allem wegen der starken Produktions-Ausweitung der chinesischen Wettbewerber gilt der Markt aber als weiterhin schwierig.

Rückkehr in die schwarzen Zahlen

Hinzu kommt die hohe Abhängigkeit der Edelstahl-Produktion vom Werkstoff Nickel, den ThyssenKrupp zuletzt mit kaum noch kalkulierbaren Anstrengungen auf dem Weltmarkt zusammenkaufen musste. Ein weiteres Problem sind die in Deutschland besonders hohen Strompreise. Trotzdem schaffte die Sparte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 die Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

In Benrath sind im Zuge der Werksschließungen keine Kündigungen vorgesehen. Die 565 Mitarbeiter bekommen entweder Jobs in Krefeld oder andere sozialverträgliche Lösungen angeboten. Der Betriebsrat, der bereits über die Pläne informiert ist, hat zu Benrath ein Standort-Gutachten bei der Beratungsgesellschaft PCG in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen in der kommenden Woche vorgelegt werden. Danach soll der Aufsichtsrat die Schließung Werks absegnen.

Werft HSY wird verkauft

Unterdessen hat sich ThyssenKrupp mit Griechenland über den Verkauf der griechischen Werft Hellenic Shipyards (HSY) geeinigt. Wie die ThyssenKrupp AG am Donnerstagabend mitteilte, haben ThyssenKrupp Marine Systems, Abu Dhabi MAR und die griechische Regierung Einigkeit über die Vertragstexte zur Umsetzung des Rahmenabkommens von Mitte März erzielt.

Eine Sprecherin von ThyssenKrupp sagte, dass das Rahmenabkommen nun vertraglich ausformuliert worden sei. Demnach verpflichtet sich Griechenland zur Abnahme der vier bestellten U-Boote und zur Zahlung von rund 320 Millionen Euro. Des weiteren sei statt der ursprünglich vorgesehenen Modernisierung zweier alter Boote die Bestellung zweier neuer vereinbart worden, ergänzte sie. Die Kosten dafür bezifferte das griechische Verteidigungsministerium auf 175 Millionen Euro.

ThyssenKrupp kann damit wie vereinbart 75,1 Prozent von HSY an Abu Dhabi MAR abgeben, sofern der Vertrag die parlamentarische Zustimmung erreicht. Im nächsten Schritt muss der Vertrag im griechischen Parlament ratifiziert und von den Vertragsparteien unterschrieben werden. "Ziel ist es, für die Werft eine langfristige Beschäftigungsperspektive zu schaffen", sagte Hans Christoph Atzpodien, Vorsitzender des Vorstands der ThyssenKrupp Marine Systems AG.

 

Quadriennale 2010

Quadriennale 2010 (Foto www.duesseldorf.de)

James Lee Byars im Benrather Schloss

zuletzt aktualisiert: 10.09.2010 - 13:26

Düsseldorf (RP) Die 151 Postkarten und Briefe, die James Lee Byars (1932?97) seinem Kollegen Joseph Beuys schickte, sind kleine Kunstwerke. Beuys hat zwar nie geantwortet, aber sie alle gesammelt.

Die Schreiben sind so zerbrechlich und der Schöpfer des ?erweiterten Kunstbegriffs? genau der richtige Adressat. Auch in seinen Performances fand Byars den flüchtigen Augenblick. Im Mittelpunkt der Schau "James Lee Byars ? The Perfect Axis" im Schloss Benrath stehen seine rätselhaft wirkenden Objekte, die sich mit ihren edlen Materialien und makellosen Formen dem Ideal der Vollkommenheit auf klassische Weise nähern.

Gezeigt werden mehr als 30 großformatige Arbeiten des amerikanischen "Ideenkünstlers" in Schloss Benrath. Dieser frühklassizistische Bau von Nicolas de Pigage ist durch seine Blick- und Wegachsen ebenso vom Streben nach Perfektion geprägt. Über der Mitte des Schlossteichs wird eine von Byars? Goldkugeln schweben und Besuchern den Weg weisen.

Stiftung Schloss und Park Benrath, "James Lee Byars - The Perfect Axis" www.schloss-benrath.de

 

Infos zu Bannerwerbung auf www.benrath.de